Montpellier, die größte europäische Metropole, hat den öffentlichen Nahverkehr kostenlos gemacht und ist damit ein Beispiel für andere Städte. Bürgermeister Michel Delafosse äußerte die Hoffnung, dass diese Initiative andere Großstädte inspirieren wird. Seit dem 21. Dezember haben mehr als 500 000 Einwohner der Metropole Zugang zu kostenlosen Verkehrsmitteln, womit Montpellier eine der führenden europäischen Gemeinden ist, die dieses Konzept verfolgen.

Luxemburg mit seinen 650 000 Einwohnern hat den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr auf nationaler Ebene seit 2020 eingeführt, während Tallinn, die Hauptstadt Estlands mit 445 000 Einwohnern, diesen Service seit 2013 anbietet. In Frankreich gibt es zwar bereits mehr als vierzig Städte wie Dünkirchen, Aubagne und Compiègne, die kostenlose öffentliche Verkehrsmittel anbieten, aber sie sind alle weniger bevölkert als Montpellier und seine 31 Gemeinden.

Dieser von Michel Delafosse eingeführte kostenlose Dienst wurde entsprechend den Wahlversprechen des sozialistischen Bürgermeisters schrittweise eingeführt. Im Jahr 2020 wird er für alle Einwohner des Großraums Montpellier auf das Wochenende ausgedehnt, und ab 2021 gilt er für Personen unter 18 und über 65 Jahren für die ganze Woche.

Im Rahmen des neuen Systems erhalten alle Einwohner kostenlose Fahrscheine, die über ein Smartphone oder eine Karte abgerufen werden können. Anstatt eine Bestätigung zu verlangen, müssen die Nutzer lediglich einen gültigen Ausweis vorlegen, der jedes Jahr mit einem Adressnachweis verlängert wird. Die Zahl der Abonnenten stieg im Vorfeld der Einführung dieses Dienstes von 86 000 auf 260 000.

Für Einwohner außerhalb des Stadtgebiets sowie für Touristen bleibt der Fahrschein (1,60 Euro pro Person) weiterhin kostenpflichtig und kann sogar noch steigen. Diese Entscheidung wird vor allem von der Opposition kritisiert, die darin eine Bremse für die Verkehrsverlagerung sieht. Die Opposition befürchtet eine mögliche Verschlechterung der Servicequalität und ist der Ansicht, dass dies zu einer Benachteiligung von Fahrgästen aus benachbarten Gebieten führen könnte.

Um den Verlust an Fahrscheineinnahmen zu kompensieren, wurde eine Mobilitätsabgabe für Unternehmen mit mehr als 11 Beschäftigten eingeführt. Dadurch wird Geld gespart, da keine Fahrkartenentwerter mehr unterhalten werden müssen. Im Jahr 2022 beliefen sich die Fahrscheineinnahmen auf 39 Millionen Euro, die hauptsächlich von den Einwohnern der Metropole stammen.

Die Metropole Montpellier hat auf die Besorgnis über eine mögliche Verschlechterung der Servicequalität mit umfangreichen Investitionen in die Erneuerung des öffentlichen Nahverkehrs reagiert. Für 224 Millionen Euro wurden 70 neue Elektrobusse und 77 Straßenbahnen angeschafft, in der Hoffnung, die Fahrgastzahlen um 20 Prozent zu steigern.

Nach Ansicht des regionalen Rechnungshofs ist die Einführung des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs in Montpellier ein ehrgeiziges Projekt, das sowohl positive als auch negative Folgen haben kann, und es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich dieses Experiment sein wird.

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